Teamwork und Träume

Wie wir Divoisia zu mehr gemacht haben, als bloß zu einem Buchprojekt.

Eigentlich sagt man, dass aller Anfang schwer ist, weil man zu Beginn noch die meiste Arbeit vor sich hat. Aber was ist, wenn man ein Projekt plant, das ein ganzes Leben anhalten könnte?

Als wir angefangen haben, an Divoisia zu arbeiten waren wir ein Haufen junger Menschen, die gerade aus der Schule kamen - oder sie noch besuchten. Michi, unser Küken, war zu diesem Zeitpunkt noch keine 14.
Wir haben uns über YouTube kennen gelernt. “Broadcast yourself” war damals das Motto. Als wir begannen, Kommentare unter Floris ersten Videos zu schreiben, ganz zaghaft Kontakt zu knüpfen, hat niemand auch nur zu träumen gewagt, dass wir irgendwann mal etwas von uns in die Welt hinaustragen würden. Nun, nach mehr als 7 Jahren lest ihr das hier… und irgendwie geht damit der Traum in Erfüllung, den wir uns damals nur sehr zögerlich erlaubt haben.

“Wir könnten mal so eine Art Forum gründen und da schreiben” war dann irgendwann die Idee. Gesagt getan - in verschiedenen Threads ging das Planen an der Geschichte um Elcio weiter. Eine Geschichte, die von Magie handeln sollte. Einem Bauernjungen, der das Schicksal der bösen Mächte durch Mut und wachsende Macht besiegeln soll. Eine Geschichte, die stark an all die Jugendliteratur erinnerte, die sich damals im Fantasybereich an Eragon anlehnte und deren Welten zwar anders hießen, jedoch kaum anders waren. Auch Elcio hatte weit mehr Ähnlichkeiten mit Eragon als nur seinen Namen und nachdem wir erst alle begeistert von der Idee waren, ein Buch zusammen zu planen und es dann von einem von uns schreiben zu lassen, merkten wir doch recht schnell, dass es nicht das war, was wir wollten. Die Geschichte profitierte davon, dass wir alle verschiedene Dinge lasen, verschiedene Dinge gut fanden, doch sie krankte auch daran, dass wir selten einhundertprozentig der gleichen Meinung waren. Es mangelte der Geschichte an Tiefe, man versank nicht in ihr. Und so machten wir uns das erste Mal die Tatsache zu Nutzen, dass wir mehr als eine Person sind. Wir teilten Arbeiten auf und organisierten eine wöchentliche “Konfi” - eine Konferenz über Teamspeak - die noch heute fester Bestandteil unserer gemeinsamen Arbeit ist. Und hier beginnt die richtige Geschichte, wie Divoisia entstand.

Ausplanen als Team

Unser erstes Forentreffen war ein Wochenende lang. Freitags kamen wir zusammen, Sonntags trennten wir uns wieder. Flori, Isa, Olli, Jan, ich. Damals begleitete auch Sandra uns noch. Und dieses eine Herbstwochenende ist bis heute das, was Divoisia für mich zu einem Teil meines Lebens gemacht hat. Wie viele andere Jugendliche suchte auch ich damals im Internet nach etwas, was mir das echte Leben nie wirklich geben konnte: Menschen, die sich für das interessierten, was auch mich beschäftigt - Fantasy. Literatur. Schreiben. Geschichte erleben und nicht nur stumpf über Buchstaben stolpern.
Mit den Menschen, die ich damals zu mir in den Ruhrpott holte, um ein Wochenende mit ihnen zu verbringen, um mit ihnen Filme zu gucken und in den Zoo zu gehen und die gesamte Nacht hindurch zu reden… Mit ihnen wurde auch das Bewusstsein für mich real, dass da draußen Menschen sind, die gute Geschichten so sehr lieben, wie ich. Hätten wir uns damals nicht getroffen und wären wir nicht so sehr davon überrumpelt worden, wie sympathisch wir einander sind, würde es Divoisia heute vielleicht nicht mehr geben.
In diesen Nächten entstanden neben den Hefeschweinchen, die es mittlerweile zu unseren Zwergen geschafft haben, ein Bund, der mittlerweile mehr als 6 Jahre hält.

Voller Motivation fassten wir den Entschluss, das Buchprojekt zu begraben - um daraus ein Weltenprojekt zu machen. Wir verwarfen die Idee um Elcio und die flache, abgekupferte Welt, in der er lebte, um das beste aus seiner Geschichte zu nehmen und daraus etwas Neues zu bauen. Der Grundstein für Divoisia entstand.

Ausplanen als Team

Beim zweiten Forentreffen, mehr als ein halbes Jahr später, waren wir dann schon weiter. Wir redeten über die verschiedenen Völker, denen wir Divoisia zur Heimat machen wollten. Über Magie und über dunkle Mächte. Über Antagonisten und Helden aus anderen Büchern und was wir an ihnen gut und was wir langweilig fanden. Und aus all unseren Meinungen und Ideen entwickelte sich langsam eine neue Welt. Divoisia wuchs.
Philip, den wir bis heute mit seinem Spitznamen Fipsi quälen, kam dazu und nahm uns mit auf eine Reise durch das Universum des Pen and Paper. Auch Jessi wurde Teil unseres Teams.

Wir sahen die Herr der Ringe-Filme, machten Musik und stärkten den Bund, den wir vor einem halben Jahr geschlossen hatten. Für mich war das mit die Zeit aus meiner Jugend, an die ich mich am liebsten zurück erinnere. Unser Anfang war leicht. Da war nichts, was uns Sorgen machte - keine Deadlines. Kein Zwiespalt. Kritik war etwas, das uns half, neue Wege zu finden. Ich lernte, das Schreiben zu lieben und mich damit auseinanderzusetzen. Ich verwarf meine Ideen nicht mehr - ich ging in ihnen auf.
“An dir ist wohl ein kleiner Tolkien verloren gegangen”, schrieb Flori damals mal zu einer meiner Geschichten, wahrscheinlich ohne wirklich darüber nachzudenken, und bis heute ist dieses Zitat etwas, was mich motiviert. Jeder von uns begann zu träumen. Divoisia bekam einen Namen und eine Form. Wir könnten eine Welt erschaffen, in der ganze Epen spielen - nicht nur ein einziges Buch. Filme. Rollenspiele. Geschichten.

Ich werde beim Schreiben ein wenig wehmütig. Es gab damals keine Grenzen, weil wir schon so viel mehr geschafft hatten, als wir erwarteten. Die Zeit, die wir uns füreinander in der echten Welt nehmen konnten wurde zu einem Anker und einem Segel. Aus Bekanntschaften wurden Freundschaften. Die Zeit um unsere Forentreffen ist noch heute die produktivste Zeit des Jahres. Wir steckten uns damals Ziele, die noch heute aktuell sind. Und von diesem Punkt ging es nur stetig weiter aufwärts.

Unsere Forentreffen holten uns quer durch Deutschland. Wir lernten uns kennen und erkannten jedes halbe Jahr, bei jedem weiteren Treffen, wie viel wir aneinander haben. Wir wuchsen - sowohl als Jungautoren als auch menschlich. Wir lernten, mit unseren Angewohnheiten umzugehen. Mit Schnarchen, mit verdrehten Schlafrhythmen, Unsicherheiten oder Arten, Kritik zu äußern. Jedoch auch, unsere guten Seiten zu schätzen. Ich habe gelernt, in dem was andere sagen zu erkennen, was sie mir sagen wollen und nicht nur in meine Freunde, sondern auch in mich selbst zu vertrauen. Stolz sein auf das, in das man Arbeit steckt und noch mehr Arbeit in das stecken, auf was man stolz sein will.

Mit der Zeit kam dann aber auch der Druck. Im Team arbeiten hat nicht nur Vorteile. Wir mussten uns Deadlines setzen, um weiter voran zu kommen und um weiter glücklich mit den Ergebnisse sein zu können. Aus dem Traum, irgendwann mal Bücher zu verkaufen kam der Wunsch und dann das Bewusstsein, was wir dafür tun müssen - ein Scheideweg. Mittlerweile sind wir noch sieben Leute und noch immer müssen wir dazulernen. Wie wir zusammenarbeiten, wer welche Ziele hat und ob diese Ziele miteinander vereinbar sind. Wer steckt wie viel Arbeit in welche Ausplanungen, wer möchte irgendwann wirklich davon leben..?

Wir gehen den Weg weiter. Gemeinsam. Weil wir ein Team sind. Weil wir Motivation aus dem Wir nehmen können und Energie, die wir ohne einander vielleicht nicht hätten. Divoisia ist etwas besonderes - für uns und hoffentlich auch eines Tages für viele, viele andere Menschen.