Hitze.
Sie spürt sie so deutlich, als wäre es ihr ganz eigener fleischlicher Leib. Sie spürt die Haut des Mannes, die vor köstlicher Furcht ganz kalt und fahl geworden war – Die Furcht, die sie heiß macht und die von innen gegen die Kälte seiner Haut drückt. Sie spürt seinen Schmerz. Der körperliche von seinem Fuß ausgehend und der seelische, der sie noch mehr anstachelt. Sie ergötzt sich an dem Bild in seinem Kopf, das er zu verdrängen versucht und an seiner Gewissheit, dass er derjenige sein würde, der diese Frau foltern und töten würde. Ein Schauer geht durch ihren Geist und reißt die Gedanken des Mannes, der ihrer Seelenfalle Halt gibt mit sich, doch sie zwingt ihn, weiter zu laufen, treibt ihn zu noch mehr Tempo an.

Niemand! Niemand sperrt ihrereins ein!

Seine erbärmliche Gegenwehr lässt sie auflachen. Sie verspürt seinen Drang, sich die Hände auf die Ohren zu pressen. Doch es würde ihm nicht helfen, ihre Stimme zu ersticken! Niemand würde ihm mehr helfen können! Kein Mensch, kein Magier, kein dreckiger Drachling, kein wiederwärtige Wuge. Sie würde sie suchen und finden – Und sie würde sie alle töten. Jede einzelne dieser Missgeburten! Sie würde sie alle foltern, sie dazu bringen, sich gegenseitig die Bäuche aufzuschlitzen, während sie gezwungen sind dabei zuzusehen, wie ihre Kinder sich von Klippen stürzen und jämmerlich wimmernd ihrem Tode entgegen gehen. Sie würde den Männern die Schwänze abschneiden und den Frauen angespitze Holzpfeiler zwischen die Schenkel jagen… Sie würde Rache üben!

Blinder Zorn lässt sie handlen, lässt den Menschen rennen, den sie führt wie eine Waffe. Von ihr geführt muss seine Hand die Tür zu einem erleuchteten Haus öffnen. Ohne dass er sich wehren kann zwingt sie ihn, hindurch zu schreiten. Hystierie und wilde Lust lassen sie ihn das Weib aus seinen Gedanken und seinem Schmerz schnappen, ihr die Klamotten vom Leibe reißen.

Sie ist frei! Keine Fesseln hindern sie mehr davon, ihn sich selbst den Stoff von den Beinen zu nehmen zu lassen. Ihre Erregung war auf ihn übergegangen – Und er kann nichts dagegen tun, als sie ihn das Weib auf den Boden werfen lässt, um sie dort zu halten und sich schmerzlich hart in sie zu drängen.

Der Schrei des Weibes vermischt sich mit dem des Mannes und ihrem eigenen, der sich in seinen hinein mischt, ihn unmenschlich und düster macht wie den eines Raubvogels. Unbändige Lust entfesselt ihren Geist vom letzten Rest ihres magischen Käfigs. Freiheit!

»Leide, Mensch! Für die Dummheit deines und aller anderen Völker!«, brüllt sie in seinen Schädel, auf dass ihm etliche Adern darin platzen und seine Hülle nach ihrem Wunsch einen Klumpen Fleisch aus dem Halse seiner Liebe beißt.

»Stirb, elendes, dreckiges Miststück!«

Seine Gegenwehr geht in dem Rausch ihrer Sünde unter. Wie ein riesiger Strudel verschlingt er alles, was nicht wichtig genug ist, vorzudringen. Ihr Geist springt von einem der Menschen zum nächsten, die wie Tiere dem Ruf ihres Artgenossen folgen und sich ihr geradezu anbieten. Sie alle verfallen ihr, tanzen nach ihrem Willen, beugen sich der Wollust, die sich in ihre Köpfen und Schößen ausbreitet.

Sie alle sind winzig, unwichtig und leben nur, um vom Chaos zerfressen zu werden. Und sie würde ihre Hilflosigkeit annehmen, frisst sich wie eine Krankheit durch sie hindurch, trinkt ihren Schmerz wie süßen Nektar, atmet ihr Leiden auf und nährt davon die Hitze in sich, die jeden einzelnen von ihnen endgültig zerstören würde für das, was sie ihr angetan haben!

Autor: Laura