Signa weiß es. Schon so lang war ihr klar, dass sich etwas ändern muss, dass ihr bewundernswerter Vater und Schöpfer Divoisos nicht gänzlich zufrieden wäre mit seinem Werk, wenn er denn noch unter ihnen weilen würde. Die kleine Arvalia behauptet zwar, dass er noch irgendwo dort wäre, dass sie ihn genau gespürt hatte auf seiner selbst erschaffenen Welt, doch niemand sonst hatte seine Präsenz je wieder wahr genommen, nachdem er sich opferte, um etwas großes, etwas imposantes zu erschaffen. Er schuf eine eigene Welt, einen Leib, so anders, als sie Götter es sind. So… Materiell. Es ist wahrhaftig grossartig, was er gemacht hatte und sie staunen jeden Tag über die Großartigkeit und die überwältigende Schönheit des Planeten, wie sie ihn seit jeher nannten.

Doch nun muss etwas geschehen – Und sie, als die Älteste der Götter hat die Aufgabe, nein… Die Verpflichtung ihre Seelenbrüder und -schwestern zu einer Lösung zu verhelfen. Ihnen muss etwas einfallen, damit sie den Willen des Vaters vollenden können. Er hatte von einer perfekten Welt gesprochen, hatte ihnen allen das Bild jener perfekten Welt in die Geister verpflanzt. Sie alle waren voller Euphorie gewesen, als er sich letztenendes selbst gegeben hatte, um den Grundstein zu legen. Doch sie alle müssten sein Werk gemeinsam fortführen. Das war ihr mit der Zeit ohne jeden Zweifel klar geworden.

Es war Duhrtan, ihr schweigsamer Bruder gewesen, dem sie sich als erstes anvertraut hatte. Er war es, in dessen Aura sie immer wieder sah, wie sehr er sich wünschte etwas zu schaffen, es dem Vater gleich zu tun. Sie kennt seine Sehnsucht nach einer eigenen Schöpfung, nach einem Werk, das man bewundern kann, während es unter der eigenen Macht wächst und immer schöner und schöner wird, bis es den eigenen Vorstellungen entspricht. Sie hatte sich oft daran versucht, doch immer wieder gemerkt, wie viel Kraft es sie rauben würde ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen, sich auf ihr Werk einzulassen und gänzlich darin zu verschwinden.

Duhrtan wirkt ruhig, wie immer, als sie all ihre Brüder und Schwestern zusammen ruft, um gemeinsam zu entscheiden, ob sie die Welt weiter schmieden, ob sie eine Eigene erschaffen wollen, gemeinsam oder jeder für sich, oder ob sie sich einfach weiter an dem Anblick des Werkes ihres Gottesvaters satt sehen könnten.

»Es würde in seinem Interesse sein«, schallt die mächtige Stimme ihres kraftvollen Bruders Hyvius durch den endlosen Raum, bricht die surrenden und murmelnden Silben der Anderen entzwei, lässt sie ohne Wiederklang ersterben. Die beiden jüngeren Lacumar und Ganus verstummen in wartender Ehrfurcht. Sie halten so viel von ihrem Bruder…

»Sein Werk braucht keine großen Veränderungen! Wir müssen ein Teil werden, ohne es zu ändern«, schleudert Vaentor ihm entgegen, die Worte erhitzt von seinem Temprament und seiner Unruhe. Signa weiß, dass sie Diskussion bald enden müsste, wenn er nicht noch andere mit seiner Aufruhr anstecken soll.

»Es muss im Einklang miteinander sein«, sagt Camina und ihre Schwester ist sich sicher, dass alle sie gehört haben, obgleich ihre Stimme so leise ist. Sie ist ihrem Bruder Duhrtan ähnlich und gleichsam ist sie ganz anders. Sie ist viel filigraner aber genauso fantasievoll nur auf eine gänzlich andere Art und Weise.

»Aber es muss Dinge geben, die heraus stechen. Dinge, die über anderen Dingen stehen.« Cyriifes spricht aus, was alle befürchten. Nicht alles, was erschaffen wird kann gleichwertig sein. Oder doch? Können die jüngeren, weniger starken Götter Dinge erschaffen, die genau so spektakulär, so aufsehenerregend und wunderbar sind, wie die Stärkeren?
»Ruhe!«

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