Signa spricht das Machtwort, nimmt sich als Älteste das Recht heraus ihren Geschwistern einen Befehl zu erteilen und tatsächlich lauschen sie ihr sofort. Sie merken, dass ihre Schwester etwas wichtiges zu sagen hat. Dass sie eine Entscheidung getroffen hat, die ihrer aller Leben grundlegend verändern würde.

»Ich weiß nun, was ich tun werde. Vater gab seinen Lebenshauch, um zu schöpfen. Und ich werde es ihm gleich tun, denn nur das, was er als Lebenssinn erachtete kann auch für uns Lebenssinn sein. Ich werde schaffen, Brüder und Schwestern. Ich werde etwas hervorbringen, etwas, was in meinem Geist wunderschön ist, weil ich will, dass ihr es auch sehen könnt. Ich werde dabei sterben und nichts von mir wird wohl übrig bleiben.«

Sie sieht, dass Arvalia etwas einwenden will, spürt ihre vollkommen andersartige Meinung und ihre Gewissheit, dass von ihrem Vater doch noch etwas da ist, wo sie anderen nichts bemerkte, doch sie spricht weiter, bevor ihre Schwester etwas sagen kann.

»… Und selbst wenn, so wird es nicht genug sein, um noch mit euch sein zu können. So tut es mir gleich. Seht euch die Werke eurer Geschwister an, überlegt, seid kreativ und denkt euch euren Teil zu unserer Welt aus. Der Welt, die unser Vater geschaffen hat und die wir perfektionieren werden. Und wenn wir fertig sind, so werden wir etwas entworfen haben, was einzigartig ist. Etwas, was in seiner Vollkommenheit mit nichts gleich zu setzen ist. Seid nicht eigensinnig, schafft nichts, um zu rebellieren oder um Unruhe und Unfrieden zu stiften. Fügt euch ein, seid ein Teil. Und wir werden auf ewig gemeinsam sein.«

Stille kehrt ein. Signa erwartet nicht, dass jemand etwas sagt, stattdessen zieht sie sich in sich selbst zurück, bereitet sich darauf vor bald zu entschwinden und zu schöpfen.
Irgendwo flüstert jemand, hinter dem sie Duhrtan vermutet, ein einzelnes Wort. Sie weiß nicht, ob sie es richtig verstanden hat, doch sie vertraut darauf, dass ihre Brüder und Schwestern die Richtigen Silben finden und die richtigen Entscheidungen treffen würden, um der Welt, die ihr Göttervater schuf und die sie selbst weiter schmieden würde zu der ihren zu machen.
»Divoisa.«

Bald verändert sich etwas. Da ist nicht mehr nur der harte Grund, die runde Welt, die Divoisos erschuf. Etwas gleißendes, grelles erscheint, beginnt als winziger Punkt. Und umso schwächer die Älteste der Götterkinder wird, umso stärker wird das, was sie aus der Kraft ihres Geistes wachsen lässt. Immer deutlicher zeichnen sich die Umrisse der kahle Welt ihres Vaters ab und immer genauer erkennen die Götterkinder, welchen Sinn ihre Schwester hinter ihrem Tun sah.

Autor: Laura

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