Malcortia setzte ihre Kinder auf die Welt, inspiriert von den Eigenschaften der Menschen: Geiz, Zorn, Neid, Hochmut, Faulheit und Wollust, nur viel Mächtiger als die Menschen es sich erträumen könnten. Sie wurden geschaffen um das Chaos auf Divoisia zu bringen und die Menschen von dem Einfluss der Wugen zu befreien.

Da jeder in seiner Sünde gefangen war und sie den Drang hatten diese auszuleben verteilten sie sich über ganz Divoisia. Gallrai-Kaan, der Zorn streifte umher und verursachte auf seinem Weg Streit und Krieg. Kunar-Zin, die Wollust, tobte sich zu erst an den Menschen aus. Bevar-Ahn, die Völlerei, fing an sich einen riesigen Energie-Hort zuzulegen, während Sitama-Run, die Geiz, seltene, wertvolle Schätze ansammelte. Aruma-ka, die Hochmut, suchte sich Völker, die sie anbeten würden und Vresyn-Ra, der Neid, versuchte seine Geschwister zu übertrumpfen.

Nur Yareg-Dhun, die Trägheit blieb am Erschaffungsort. Er konnte sich nicht aufraffen die Welt zu erkunden und so wie seine Geschwister Chaos zu stiften, viel lieber hing er seinen Gedanken nach. Das von Malcortia mitgegebene Wissen musste analysiert werden, damit das volle Potenzial dieser Informationen ausgeschöpft werden konnte.

Am liebsten dachte er mit geschlossenen Augen nach, nur selten öffnete er sie. Auch mit geöffneten Augen nahm er kaum den Wald an dessen Rand er saß wahr. Auch das Gebirge in der Ferne und die hügelige Wiesenlandschaft davor waren für ihn uninteressant. Das Rauschen des nahegelegenen Baches nahm er nur als monotones Hintergrundrauschen war, welches er leicht ausblenden konnte.

Er gab sich keine Mühe seine Gestalt zu verschleiern, schließlich führte er nichts im Schilde und wollte nur in Ruhe seinen Gedanken nach gehen. So verging Jahr um Jahr, doch es kamen immer mehr Menschen vorbei die ihn als seltsamen dicken Nebel ohne erkennbaren Ursprung bestaunten. Den ersten Menschen hatte Yareg erst bemerkt, als dieser unmittelbar vor ihm Stand. Er wirkte ängstlich und unsicher, aber auch neugierig und fasziniert. Yareg war sich nicht ganz sicher wie genau er auf den Menschen wirkte, vermutete aber das die weißen feinen Partikel, aus denen sein Körper bestand, so klein waren, dass er wie Nebel wirken musste. Zugegeben war es merkwürdig, das im strahlenden Sonnenschein Nebel erschien, aber darum kümmerte er sich nicht. Gerade wollte er sich wieder ganz auf seinen Gedanken über die Schöpfungsgeschichte hin geben, da wagte der Mensch sich vor, streckte seine schwielige Hand aus und strich durch Yareg hindurch. Dieser genervt, aber zu faul etwas zu unternehmen, lies es über sich ergehen. Der verwunderte Mensch ging nach einer Weile, kehrte aber am nächsten Tag mit mehreren wieder und so wiederholte sich die Prozedur erneut. Ab diesen Moment, hatte er meistens nur noch Ruhe in der Dunkelheit.

Diese Störungen missfielen ihm immer mehr und ihm war klar, dass er sich einen Unterschlupf suchen musste. Dies war leichter gesagt als getan, er konnte sich einfach nicht überwinden und verschob den Aufbruch von Tag zu Tag weiter. Der Wille auf die Menschen angsteinflößend zu wirken, brachte ihm etwas Ruhe ein, aber auf Dauer war auch dies keine Lösung. Überall gab es Störgeräusche und schließlich war er nach Jahren so genervt, dass er aufbrach um sich einen Unterschlupf zu suchen. Yareg lies sich ein wenig mit dem Wind treiben, so musste er nicht allzu viel Kraft aufwenden. Wie praktisch, dass er so Richtung Gebirge getrieben wurde, denn dort war es am wahrscheinlichsten einen ruhigen Unterschlupf zu finden. Unterwegs kam er an kleinen Dörfern, Feldern und Wiesen vorbei. Da er durch den Wind auseinander getrieben wurde, nahmen ihn die Menschen nicht war. Nur ein Wesen fiel ihm auf, dass ihn anstarrte. Es sah zwar menschlich aus, hatte aber eine größere Macht, so vermutete er, dass dies ein Wuge war. Somit hatte ihm die Reise eine Wissensbereicherung gebracht, die aber die Anstrengungen auch nicht ausgleichen konnte. Endlich an den Ausläufern des Gebirges angekommen, suchte er sich den ersten Felsspalt und schlüpfte hinein. Von nun an musste er sich ohne Unterstützung fortbewegen. Er schlängelte sich durch schmale Gänge und erreichte eine kleine Höhle. Sie war nur so hoch, dass dort ein kleiner Mensch stehen konnte und so dunkel, dass es keinen Unterschied machte ob er die Augen schloss oder nicht. Das war der perfekte Ort, hier würde ihn niemand stören und irgendwelche Nebengeräusche gab es auch nicht.

Er gab sich nun wieder ganz seinen Gedankenspielen hin. Malcortia gab ihren Kindern das Wissen über die Schöpfungsgeschichte. Somit ist bekannt das Divoisos die Götter erschuf und über 4000 Jahre später Divoisia. Auch wenn der Schöpfer vergeht, fließt seine Energie in der Schöpfung weiter. Des Weiteren war für ihn klar, dass er ein Götterkind ist, eine Art Untergott. Aber Gott bleibt Gott und deren Aufgabe ist das Erschaffen. Da Divoisos zwei Werke erschaffen konnte, musste es möglich sein nach einer Schöpfung nicht zu vergehen. Malcortia war wohl schlussendlich einfach zu schwach gewesen. Mit diesen Überlegungen versuchte er die benötigte Energie abzuschätzen und den Erschaffungsprozess zu optimieren.

So verbrachte er mehrere Tausend Jahre, ohne von den Geschehnissen der Außenwelt etwas mitzukriegen, bis zu jenem Tag…

Autor: Isa