Ära I – Einsamkeit
Vor ewig langer Zeit, die selbst in Jahrtausenden kaum zu messen ist, streifte ein Wesen im Nichts umher, auf der Suche nach dem Sinn seiner Existenz. Trotz der Macht und Weisheit, die von Divoisos ausgingen, wurde er von einer noch größeren Instanz überwältigt, gequält, gefoltert. Die Einsamkeit zwang ihm einen Gedanken auf, einen Gedanken der von Tag zu Tag, von Woche zu Woche, von Monat zu Monat und von Jahr zu Jahr immer deutlicher und bedrängender wurde, bis Divoisos nachgeben musste und seine Macht den Instinkten überließ. Energiemassen strömten aus, schwächten ihn und ließen etwas entstehen. Andere Wesen von allzu ähnlicher Substanz. Wesen seiner Art. Seine Kinder. Und er nannte sie: Götter.

Ära II – Erschaffen
Nun nicht mehr allein, zog sich die Einsamkeit von Divoisos zurück und überreichte ihm und seinen Kindern das Zepter des Schicksals. Der Gottvater glaubte den Sinn seiner Existenz entdeckt zu haben und erschuf immer mehr Söhne und Töchter. Zwar fühlte sich Divoisos immer schwächer, denn seine Energie floss in seine Werke ein, wurde zu seinen Werken, doch er war sich vollkommen sicher, das Richtige zu tun.

Doch trotz allem besuchte ihn der Schatten des Zweifels, flüsterte ihm zu und nistete sich ein, sodass der Gottvater zu grübeln begann. In seinem Geist wurde der Zweifel nach und nach von einer Vision verdrängt. Eine Vision, die ihn mehr kosten würde, als alles zuvor, die ihn all seiner Kräfte berauben würde, sodass er auf ewig verschwand. Und als er vor seine Kinder trat, sprach er über diesen Traum. Er wollte etwas erschaffen, etwas anderes als die Götter, etwas Greifbareres, das nicht nur eine Ansammlung von Energie war, sondern ohne solche existieren konnte. Er wollte eine Welt erschaffen.

Wenige Jahrtausende nachdem er sein letztes Werk der gewohnten Art vollendet hatte, begann er damit seinen Traum zu verwirklichen. Und ohne jede Rücksicht ließ er seine gesamte Kraft in diesen Wunsch einfließen und eine graue, riesige Kugel entstand, schwebte im Nichts und füllte es aus. Doch Divoisos sank nieder. Verging. Verschwand.

Die zurückgebliebenen Götter staunten über das Werk ihres Vaters, waren aber auch eine lange Zeit orientierungslos. Nach und nach erwachten sie aus ihrer Starre, begannen zu handeln, suchten nach Aufgaben und fanden sie schließlich.

Auf Dauer wurde ihnen klar, dass Divoisos Welt nicht vollkommen dem entsprach, was sich der Vater unter ihr vorgestellt hatte. Sie war nicht so wundervoll wie in seinem Traum. Und so entschlossen sich einige das Werk fort zu führen.

Die älteste Tochter Signa ergriff die Initiative und erschuf eine Lichtkugel, die noch größer war, als die Welt selbst. Duhrtan, der älteste Sohn, nahm seine Macht und nutzte sie, um die Welt zu formen, in sie hineinzudrücken oder einen Teil herauszuziehen. Und so entstanden Berge und Krater.

Der Gott Hyvius füllte diese Einkerbungen mit einem feuchten Element und erschuf die Meere und Ozeane. Vaentor bemerkte, dass die eine Hälfte im Hellen, die andere im Dunkeln lag. Und so atmete er seine Macht aus, brachte die Welt in Bewegung und hinterließ die Winde. Lacumar empfand die Werke ihrer Brüder Duhrtan und Hyvius als am sinnvollsten, ahmte sie nach, zog Linien durch die Landen und füllte sie mit dem kühlen Nass. Die bezaubernde Camina pflanzte ihre Schönheit in die Welt und aus der Saat sprossen die ersten Pflanzen in den unterschiedlichsten Farben. Als Itehnia, die fast ebenso schön war, wie ihre Schwester, die Tiere als erstes Volk hinzu gab, schien die Welt perfekt. Harmonisch. Komplett.

Ära III – Zerstören
Doch der Gott Cyriifes hatte die Idylle satt, wollte dass etwas auf der Kugel geschah, wollte die Abwechslung sehen, die er sich erhofft hatte. Und so streute er das Chaos auf die Welt und mit diesem die Menschen.
Mit angehaltenem Atem beobachteten die verbliebenen Götter das Werk ihres egoistischen Bruders und schon bald erkannten sie das wahre Ausmaß. Die Menschen entwickelten sich. Entdeckten Feuer. Benutzten Werkzeuge. Versklavten die Welt.

Perotecc beschloss, das man ihnen Einhalt gebieten musste und so sandte er das Volk der Wugen hinab, den Menschen äußerlich so ähnlich, dass sie sich unerkannt unter ihnen bewegen konnten, und innerlich so verschieden, dass sie in der Lage waren, die Menschen zu zügeln.

Vielleicht hätte dies funktioniert, doch auch Cyriifes hatte seine Anhänger und unter diesen befand sich eine der mächtigsten Göttinnen mit dem Namen Malcortia. Sie teilte die Ansichten ihres Bruders, ebenso wie sie die ihres Vaters bewunderte. Er hatte Individuen aus seiner Kraft entstehen lassen und genau das war auch ihr Ziel. Und so erschuf sie sieben Dämonen, die den Göttern glichen, und pflanzte ihnen die besten Züge der Menschen ein. Wollust, Neid, Völlerei, Geiz, Hochmut, Trägheit und den Zorn. Sie sollten die Wugen davon abhalten, das Werk ihres Bruders Cyriifes einzugrenzen.

Doch die Dämonen hatten ihre eigenen Köpfe, griffen zwar gegen die Wugen ein, doch achteten die Menschen keinesfalls. Ständige Konflikte zwischen dem mächtigen Volk und den Untergöttern drohten zu eskalieren und so mischte sich der Gott Pargicon ein, ersann die Drachen und schickte sie als Hüter des Friedens in den Konflikt.

Ära IV – Neuanfang
Zwar konnte ein Krieg verhindert werden, doch der Damm des Friedens war so brüchig, dass der kleinste Fehler ihn zerstören könnte und das Chaos in die Welt strömen würde. Einige Götter betrachteten die sich entwickelnden Verhältnisse mit Skeptik. Die meisten mit Abscheu. Es wurde diskutiert und nach einer Lösung gesucht, um das Werk ihres Vaters noch zu retten. Einige schlugen vor, eine neue Welt in seinem Bilde zu erschaffen. Doch diese Idee schlug auf Widerstand, denn ihr Vater hatte seine Welt aus seiner Energie schaffen wollen. Und so teilten sich die Götter in zwei Gruppen auf. Die eine wandte sich von der Welt ab und erschuf ihre ganz eigenen Werke, die das Nichts mit leuchtenden Punkten füllten.

Eine kleine Ansammlung blieb jedoch beim Werk ihres Vaters und überlegte fieberhaft, wie man es noch retten konnte. Die Menschen, Dämonen, Drachen und Wugen waren nicht gut angesehen, teilweise sogar verhasst, aber niemand dachte daran, die Kinder ihrer Geschwister zu zerstören.

Und so teilten sie die Welt in zwei Hälften. Die eine für die Verhassten, die andere sollte eine ganz neue werden. So wurden die vier Völker auf die eine Seite verdammt und die Göttin Riga ließ ein riesiges Gebirge und zahlreiche Riffe entstehen, um die neue Welt zu isolieren.

Doch man wollte auf Nummer sicher gehen und die Werke ihrer Geschwister vor den Fehlgeleiteten schützen, die irgendwann vielleicht doch eine Möglichkeit finden würden, die neue Welt zu betreten. So sollte jeder ein Volk erschaffen, das den wichtigsten Elementen der Welt dienen würde. Buxios erschuf die Kobolde, die die Pflanzen vor Gefahren wahren sollten. Kiresus wollte die Tiere mit seinen Zentauren schützen. Die Gebrüder Pargutus und Margutus kreierten die großen Trolle und die kleinen Zwerge, um das Gebirge von Außen und Innen zu sichern. Sarumia sandte die anmutigen Elfen, denn das Licht war ihrer Meinung nach, das Wichtigste. Dann erschuf Ganus die Balmaare, die selbst die Drachen an Größe übertrafen, um auf die Meere aufzupassen und Arvalia schickte Wassergeister in die Welt hinaus, die mit ihren sensiblen Sinnen mehr wahrnehmen konnten, als jedes andere Volk. Sie sollten die Seen hüten. Zuletzt setzte Volaq die Greife in die Lüfte, um auch dort jemanden zu haben, der Wache hielt.
Und der Frieden währte.

Ära V – Divoisia
Aber nicht lange. Trolle und Zwerge fingen an sich zu bekriegen, wollten ihre Territorien nicht teilen. Elfen wurden hochmütig und versklavten die nach ihrer Ansicht minderwertigen Kobolde. Und die Dämonen lösten den größten Krieg der Geschichte aus, in den auch die neue Welt hineingezogen wurde. Der Tod hielt Einzug.

Die übrig gebliebenen Götter wandten sich voller Abscheu von der Welt ab. Divoisia war geboren!

Autor: Flori